The Black Crusade
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Frühlingserwachen

Der Frühling räkelt sich, steigt aus dem Schlummer,
bedeckt mit paradiesisch' Pracht das Land
Sein Hauch, er treibt aus düst'rer Seel' den Kummer
und gibt uns knospend' Träume in die Hand

Die Blüten treiben auf der Haine Bäume,
und Blumen, mannifaltig, zier'n die Au,
wiewohl die Gräser weite Flure säumen,
und alles grünt im glitzernd' Morgentau

Die Maid, von Rosenhecken keusch verborgen,
war gar und ganz mit ihrem Blut beschmiert;
der Zierde gleich für ihren letzten Morgen,
ist in Blüten, weich, gebettet, sie drapiert

Im Laubengang von Blättern überdacht,
liegt ihre Leiche duftend noch und warm
Ihr zartes Haar, kaskadengleich, es macht
sehnsüchtig; lockt es mit liebreizend Charme

Die Linien auf ihrem Leibe bleich
Gaben von ihrem prächtig' Dornenkleide,
die kirsch'nen Tupfer auf den Bäckchen weich,
dass selbst man am zerriss'nen Fleisch sich weide

Im Garten um sie reif und prall die Früchte,
gleich ihren zarten Brüsten im Korsett
Die wölbten sich, erweckten die Sehnsüchte
besprenkelt durch ihr Rot, das fast kokett'

An ihrem Auge, stumpf und glasig', nascht
ein klein Insekt versonnen, wonnevoll,
wühlt im Weiß und es dabei erhascht
ein Stückchen der Iriden, farbentoll

Und aus der frischen Wunde, quellgleich sprudelnd
rinnt, wie im Sommer Schokolade, zäh das Blut,
die dahinschmilzt, zögerlich, und sie besudelnd
die Schenkel ihr benetzt mit flüss'ger Glut

Es tränkt die Lippen köstlich' Lebenssaft,
die vollen roten, schwer wie dunkler Wein
Zerriss'ne Kehle wie von wölfisch' Kraft,
wo Krähen schlagen ihre Schnäbel drein

Bald emsig das Getier in ihre Schnitte kriecht,
bald, dass an ihrer milchig Haut sich Maden laben
Die Sonne strahlt, der Tag nach jungem Frühling riecht
Als Futter werden Würmer sie bald haben

Und Vögel zwitschern lieblich, jauchzen froh
als der letzte Tropfen kündet, was geschah
erwacht im Requiem des Fleisches roh –
das schönste Stückchen Aas, das ich je sah




Bluhtroth

Das Wäldchen hinterm Dorf von Kält' ergriffen
der eis'ge Monat bringt herzlos ihm nur Verfall
Der Friedhof auf dem Hang, wo schaurig Winde pfiffen
liegt bar von Leben; und ich bin des Lebens All

Dräuend türmen Wolken sich so grau wie Stahl
und dräuend der Moment, da weit'res Leben ende
es ist dies Schlummergartens Antlitz aschefahl –
welch bessrer Ort, wo meine Seel' zum Grab sich wende?

Die Gitter rostig scheppern in der Abendluft
die wie eine leise Stimme wispernd säuselt
das Laub säumt uns ringsum; so tot, und Leichenduft
indes in deinem Blut die Träne mein sich kräuselt

In einem Pfuhl aus Lebenssaft liegst du vor mir
besprenkelt überall, die nackte Brust zerfetzt
im schönsten deiner Kleider bist du hier drapiert
das Myriaden schöner noch vom Blut das es
benetzt

Im Eschenhaar verlor'n das blaue Bändchen
Dein zarter Anblick gibt mir keinen Halt
Aus meinen Fingern rutscht dein leblos Händchen
Ich berühre deine Wange, sie ist kalt

Die Haut, die deine, ach so blass wie bleicher Knochen
Ophelia könnt' nimmer schöner sein
gar makellos, der Schand' zum Trotz die wir verbrochen
der wir so lange frönten in des Mondes Schein

Bei Nacht war'n in der Greuel Unzucht wir verschlungen
genossen blut'ge Sünd' zur Geisterstund'
wir zitterten vor Wonne, lechzten uns're Zungen
eh' sie sich gruben zärtlich in des and'ren Wund'

Doch womöglich wiegt die Schuld, die un'sre allzu schwer
und öffnet' ich nebst deiner Schenkel Höllenschlünde
Mag sein, dass, was ich dir ergoss, die Styx, darauf die Fähr'
die dich hinwegtrug an des Hades' Gründe

Dass ich den Blick von dir nun endlich wende
teilt leuchtend mir die Pein wie ein Fanal
Dein süßer roter Mund er spricht mir Bände
ich wünscht' ich küsste dich noch tausend Mal

Und als ich schwelg nach einst'gem Glücke fern
schau ich der welken Sonne hinterher
Um uns herum erwacht der Tag, der Morgenstern
Doch du, Geliebte, du erwachst nicht mehr


Alle Gedichte © Gregorowitsch

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